Frohe Ostern Euch allen – Kalo Paska!

 

Ostern – das Fest der Feste

 

Ostern ist in ganz Griechenland nicht nur das wichtigste Kirchenfest, sondern auch das beliebteste Familienfest. Zu Ostern möchte jeder Grieche bei seiner Familie sein. So kommen Besucher sogar aus Amerika und Australien zum gemeinsamen Feiern des Osterfestes nach Hause.

Man kann zur Institution Kirche, hier ist es die orthodoxe Kirche, stehen wie man will, das Osterfest auf Kreta zu erleben, ist für mich jedes Mal ein wunderbares und unvergessliches Erlebnis.

Die Vorbereitungen für die Osterfeiern beginnen schon lange vorher in der Fastenzeit.

Überall, auch in den Kirchen, findet eine Art Frühjahrsputz statt. Wenn die Kronleuchter wieder funkeln, beginnt die aufwändige Dekoration der Kirche. Viele Frauen tragen zum Gelingen des Festes bei. Sie bereiten Bänder, Schleifen, Stickereien, Blumenschmuck vor und backen Unmengen an Gebäck, was später an alle großzügig verteilt wird

In der „Großen Woche“ (Karwoche) finden täglich 3-4 stündige Messen statt, an denen – zumindest eine Zeitlang – auch ganz kleine Kinder teilnehmen und stets willkommen sind. 

 

Am Großen Freitag (Karfreitag) finden die Liturgien den ganzen Tag und die Nacht hindurch statt und jeder kann kommen und gehen, wie es für ihn passt. Wer in der Nacht die Kirche betritt, wird von einem fast berauschenden Potpourri aus Blumenduft und Weihrauch umhüllt. Spät in der Nacht wird dann das Holzkreuz abgehängt und auf eine Art Tischgestell gelegt, den Epitafios, der das Grab Jesu symbolisiert und über und über mit Blumen geschmückt ist. Der schwere Epitaph wird von kräftigen Männern in einer Prozession durch das Dorf oder zumindest um die Kirche getragen. Der Pope verteilt dabei mit seinem Wedel reichlich duftendes Rosenwasser über den Köpfen der Gläubigen. Später, mancherorts jedoch auch schon vor der Prozession, werden Kerzen an alle Anwesenden verteilt und zu einem beeindruckenden Lichtermeer entzündet.

 

Großer Samstag (Ostersamstag) :

Die Feierlichkeiten steuern auf ihren Höhepunkt zu. Abends wird in einer unter die Haut gehenden Osterfeier der Auferstehung des Herrn gedacht.

Zwischen 22 und 23 Uhr füllt sich die Kirche bis zum Bersten und  auch draußen versammelt sich eine große Menschenmenge. Im Freien wird viel geplappert, werden alte Freunde begrüßt und zwischendurch auch der Übertragung der Liturgie über die Lautsprecher gelauscht. Die Liturgie in schwerverständlichem Altgriechisch, die schön gesungenen Psalmen, Düfte und Kerzenschein erzeugen eine andächtige Stimmung, die sogar in eine leichte Trance münden kann und Herz und Seele wärmt.

Magischer Moment:

Um Mitternacht geht plötzlich das Licht aus, der Pope kämpft sich mit einer Kerze durch die Menge zur Kirchentür, klopft dagegen und ruft: Öffnet die Kirche! Unter großem Jubel öffnen sich die Türen. Jeder eilt nun im Gedränge zum Popen, um an dessen Kerze die eigene mitgebrachte Kerze zu entzünden und das Licht an die Umstehenden weiterzureichen. Ein Meer von kleinen Lichtern entsteht, ein sehr schönes und emotionales Ritual!

Dann folgt der Satz, auf den viele ungeduldige Griechen schon die ganze Osterzeit warten:  Christos anesti ek Nekron- Jesus ist von den Toten auferstanden!

Der Ruf setzt sich wie ein Jubel fort: Christos anesti! Angehörige geben sich den Liebeskuss oder verteilen freudige Umarmungen untereinander.

Das heilige Licht wird jedes Jahr direkt aus der Grabeskirche in Jerusalem nach Griechenland eingeflogen. Von vielen wird es deshalb in Form ihrer Kerze das ganze Jahr zuhause am Brennen gehalten.

 

Draußen vor der Kirche haben Kinder und Jugendliche schon den ganzen Tag einen Scheiterhaufen errichtet, um die mit Stroh gefüllte Judaspuppe nach Mitternacht endliche verbrennen zu dürfen.

Gleichzeitig wird die Auferstehung Christi mit Feuerwerk verkündet, es zischt und knallt rundherum. Überschäumende und lautstarke Freude und Begeisterung!

Noch weit nach Mitternacht wird in den Familien gefeiert, meist mit der traditionellen Ostersuppe und vielerlei süßem Gebäck. Die Hausfrauen sind sehr gefordert in dieser festlichen Zeit!

 

Ostersonntag

Die Fastenzeit ist überstanden, leider müssen nun viele Lämmer und Zicklein ihr Leben lassen für das traditionelle Ostergericht. Das ist für Yogis, die meisten von uns Vegetarier oder sogar Veganer, schwer zu ertragen, aber es ist nun mal alte Tradition und gehört für die Kreter unabdingbar zum Ostersonntag.

 

Stundenlang wird das Osterlamm draußen über der Glut am Spieß gedreht. Wie immer auf Kreta sind beim Familienfest auch Freunde und Fremde herzlich willkommen.

 

Nach dem Hauptmahl besucht man sich gegenseitig, dabei biegen sich die Tische immer noch unter zahlreichen Köstlichkeiten. Oft wird von den Besuchern der Tsoreki mitgebracht, ein Osterkranz mit dem typisch rotgefärbten Ei in der Mitte.

Die Kreter feiern generell gern, temperamentvoll und ausgiebig. Der Höhepunkt ist sicher Ostern, wo den ganzen Tag, meist draußen unter freiem Himmel geschmaust, getrunken, geplaudert, gesungen und manchmal auch getanzt wird.

Nach Ostern sind alle erschöpft und freuen sich auf ihren ganz normalen Alltag!

Einige dieser Gebräuche und Kirchenzeremonien unterscheiden sich von Region zu Region, sogar von Dorf zu Dorf auf Kreta.

Wer alles selbst einmal in einem Urlaub erleben möchte, sollte beachten, dass aufgrund unterschiedlicher Kalender das griechische Osterfest nur alle paar Jahre mit dem deutschen Osterfest zusammenfällt, so z.B. 2017 und dann erst wieder 2025. In diesem Jahr 2018 ist Ostern in Griechenland eine Woche später als bei uns.