Wenn es Dich interessiert, wie in Griechenland, speziell auf  der Insel Kreta Silvester gefeiert wird, erfährst Du hier etwas über den Verlauf und die Unterschiede zu unseren Silvester -/Neujahrstagen.

Ab 8 Uhr am Silvestermorgen ziehen die Kinder- kleine und große – singend mit ihren Triangeln von Tür zu Tür. Sie singen die Neujahrs-Kalanta (Neujahrs-Lied) und freuen sich über kleine Geschenke oder etwas Kleingeld. In mancher Stadt zieht die Musikkapelle durch die Hauptstraßen und spielt ebenfalls die  Kalanta auf. In manchen Gegenden wird eine Blumenzwiebel, die Scilla maritima oder Meerzwiebel gegen Entgelt angeboten. Die recht große Zwiebel wird dann auf die Haustürschwelle gelegt, um dem Haus und seinen Bewohnern ein glückliches neues Jahr zu bescheren.

Am Silvesterabend versammeln sich Familie und Freunde im Haus zu einem ausgiebigen Festtagsschmaus. Die Kreter halten die Parea (Tischgemeinschaft, geselliges Beisammensein) immer noch hoch in Ehren, was eine wunderbare Tradition ist. Es wird lange und viel gegessen, häufig (mit Yamas!) gegenseitig auf die Gesundheit geprostet und sich meist lautstark und lebhaft unterhalten.

Nach dem Feiern im Freundeskreis ist man spätestens um 23 Uhr wieder zu Hause, um mit der eigenen Familie auf das Neue Jahr zu warten.

Die Hausfrauen haben nicht nur reichlich verschiedene Speisen zubereitet, sondern auch die tradionelle Vasilopita gebacken. Dabei handelt es sich um einen mit Puderzucker überzogenen Rührkuchen, in dem sich eine kleine Figur oder eine in Alufolie verpackte Münze (Flouri) versteckt.

Mitternacht ist da….Chronia polla (viele Jahre)! tönt es aus allen Mündern; was in etwa bedeutet: Mögest du dieses Fest noch viele Jahre feiern und steinalt werden. – Alle beglückwünschen sich gegenseitig.

Der erste Höhepunkt im Neuen Jahr ist das gemeinsame Anschneiden der Vasilopita. Wer dann den kleinen Glücksbringer in seinem Kuchenstück entdeckt wird von allen beneidet und darf sich auf ein besonders gutes Jahr freuen. Dann geht es los… viele Menschen gehen noch aus und – jetzt kommen oft die Karten auf den Tisch, so dass manch einer bis zum Morgengrauen ein kleines Vermögen verspielt hat. Auch die Bouzouki Lokale in den Städten sind nach Mitternacht sehr gut besucht und dort wird kräftig das Tanzbein geschwungen.

Der (restliche) Neujahrstag ist ein wichtiger kirchlicher Festtag auf Kreta. Der 1. Januar ist nämlich Agios Vassili geweiht, dem heiligen Basilius, der im 4. Jh. als Erzbischof von Caesarea, im heutigen Kappadokien, lebte. Er gilt als einer der Begründer des griechischen Mönchswesens, dessen Regeln heute noch weitgehend befolgt werden. Da er die Entsagung von allen irdischen Gütern propagierte und selber auch vorlebte, findet an diesem Tag offiziell die Bescherung der Kinder statt, so wie wir es vom Heiligen Abend her kennen.

Die griechischen Gebräuche unterliegen immer mehr dem westlichen Einfluss, so dass teilweise ein Durcheinander herrscht. Ursprünglich gab es die Geschenke für Kinder und Erwachsene erst am Neujahrstag, dem Tag des hl. Vassili, heute findet die Bescherung bei der Hälfte der Bevölkerung schon an Weihnachten statt. Besonders glückliche Kinder werden sogar an beiden Festen beschenkt. Am 1. Januar feiern auch alle mit Namen Vassili ihr persönliches Fest, denn Namenstage sind auf Kreta, zumindest unter Erwachsenen, viel wichtiger als Geburtstage.

Was unterscheidet sich noch von unserer Art, Silvester und Neujahr zu feiern?

Der Silvesterabend wird glücklicherweise mit nur mäßiger Knallerei eingeleitet und auf das mitternächtliche Feuerwerk wird man, zumindest außerhalb der wenigen großen Städte, vergeblich warten.

Zum guten Schluss: Auch unser gewohntes Anstoßen zum Jahreswechsel mit Sekt entfällt gänzlich, weil die Kreter viel lieber ihre – oft hauseigenen